Liebe Hobbyschneiderinnen!
Ich möchte euch gerne meine Houppelande vorstellen. Es handelt sich hier um ein Kleidungsstück aus der Spätgotik, das eher „exotisch“ als „mittelalterlich“ scheint.
Ursprünglich wollte ich mir nur ein Kleid für ein Mittelalterlager schneidern, aber dann bauten sich meine Wünsche immer mehr aus, bis schließlich feststand: Es sollte ein Kleid der italienischen Mode um 1400 sein!
Nach längeren Recherchen (auch in der Toskana) bin ich auf eine Darstellung von 1423 von einem Maler namens Gentile da Fabriano gestoßen. Hier wird eine italienische Dame mit einer Houppelande gezeigt. Genau das wollte ich haben!

Also dann rann ans Nähen!
Grundsätzlich habe ich das Schnittmuster mithilfe von Sarah Thurfield`s Buch „Medieval Tailor Assistant“ erstellt, welches ich jedem, der sich für mittelalterliche Schneiderei wirklich ans Herz legen kann. Man findet so gut, wie alles darin was sich zwischen 1200 und 1500 herstellen lässt, Schnittanleitungen, Kopfbedeckungen, Stoffempfehlungen, ect….
Nur für die Schleppenärmel, wie sie auf dem Bild zu sehen sind, habe ich erst einen eigenen Prototyp anfertigen müssen, bis sie glücklicherweise so waren, wie sie gehören.
Doch nun zum Kleid selber: Die Hoppelande besteht aus ungefähr 8 Metern rotem Kammgarnwolltstoff und ist mit leichter Baumwolle gefüttert. Die Schleppenärmel habe ich mit einem Seidenfutter versehen, da es ja hervorblitzen und Wohlstand vermitteln soll. Zudem sind sie nach der damaligen „Zaddelmode“ flammenförmig gezaddelt. Der Ausschnitt ist es, wie es sich für die schnickschnackreiche Spätgotik gehört mit einigen Perlen und kleinen Metallornamenten verziert. Als Gürtel habe ich eine bestickte indische Borte verwendet (indische Borten eignen sich, wenn sie vom Muster her passen, oft sehr gut für mittelalterliche Darstellungen) .
Unten drunter trage ich ein einfaches grünes Leinenunterkleid mit Frontalschnürung. Der Schnitt ist ebenfalls aus dem og. Buch und wie für die Spätgotik typisch sehr körperbetont. Da die Ärmel enganliegend sind, werden sie mit Knöpfen geschlossen. Weil man das Kleid ja auf dem Bild nicht ganz sehen kann, habe ein ein extra Bild eingefügt. Bei heißeren Temperaturen lässt es sich nämlich auch ganz gut solo tragen;-)

Nun zuletzt noch ein Wort zur Kopfbedeckung: Sie ist grundsätzlich zeitgenössischen turbenartigen Kopfbedeckungen aus der Toskana nachempfunden, aber ich habe sie etwas nach meinem eigenen Geschmack gestaltet z. B. Blätter statt Blumen. Das Grundmaterial ist Seide mit Buntmetalldraht und –blech für die Blätterranken.
Ich hoffe ich konnte euch mit meinen Bildern eine Freude machen und euch auf eine kleine Zeitreise mitnehmen! Vielleicht lässt sich ja die ein oder andere Betrachterin an der Spätgotik inspirieren.
Viel Spaß beim Anschauen!
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